Strompreis 2027: Was Umlagen, Netzentgelte und Bundeszuschuss jetzt für deinen Vertrag bedeuten
Seit Ende Oktober stehen die gesetzlichen Strom-Umlagen für 2027 fest. Sie steigen zusammen um knapp 23 Prozent, von 2,946 auf 3,621 Cent je Kilowattstunde. Die vorläufigen Netzentgelte der Verteilnetzbetreiber zeigen dagegen kaum Bewegung im Bundesschnitt, aber große regionale Unterschiede. Noch offen ist der Bundeszuschuss zu den Übertragungsnetzkosten: Das Gesetz ist Anfang November noch nicht beschlossen.
Was in einer Preismitteilung stehen muss und wann du ein Sonderkündigungsrecht hast, erklärt unser Artikel Preisbrief vom Stromanbieter vom 9. Oktober. Dieser Artikel bringt die neuen Zahlen und zeigt dir, wie du Preisgarantie und Bonus jetzt einordnest.
Die Umlagen 2027 stehen fest
Die Übertragungsnetzbetreiber haben die Umlagen für 2027 veröffentlicht (ZfK, 26.10.2026). Die Werte sind netto, ohne Mehrwertsteuer.
| Umlage | 2026 | 2027 | Was es nicht leistet |
|---|---|---|---|
| KWKG-Umlage | 0,446 ct/kWh | 0,451 ct/kWh (+1,1 %) | Fast unverändert, für die Rechnung kaum relevant |
| Offshore-Netzumlage | 0,941 ct/kWh | 1,143 ct/kWh (+21,5 %) | Ob dein Anbieter sie voll weitergibt, steht in deiner Preismitteilung. |
| Aufschlag für besondere Netznutzung (§ 19 StromNEV) | 1,559 ct/kWh | 2,027 ct/kWh (+30 %) | Der größte Treiber der Umlagen, aber nur ein Teil deines Preises |
| Summe | 2,946 ct/kWh | 3,621 ct/kWh (+22,9 %) | Sagt allein nicht, wie stark dein Gesamtpreis steigt |
Rechenbeispiel (fiktiv): Bei 3.500 Kilowattstunden im Jahr ergeben 0,675 Cent mehr je Kilowattstunde rund 23,60 Euro netto mehr, mit 19 Prozent Mehrwertsteuer etwa 28 Euro. Das gilt nur, wenn dein Anbieter die Erhöhung eins zu eins weitergibt und sich sonst nichts ändert.
Netzentgelte: Bundesweit wenig Bewegung, regional große Sprünge
Die Verteilnetzbetreiber haben Mitte Oktober ihre vorläufigen Netzentgelte für 2027 veröffentlicht. Zwei Auswertungen zeigen ein ähnliches Bild:
- Verivox (dpa, 17.10.2026): Im Bundesschnitt steigen die Strom-Netzentgelte um 1,9 Prozent, das sind bei 4.000 Kilowattstunden rund 8 Euro brutto im Jahr. In den alten Bundesländern sind es im Schnitt etwa 10 Euro mehr, in den neuen etwa 3 Euro weniger. Am stärksten steigen sie in Hamburg.
- Finanztip (Pressemitteilung, 16.10.2026, Daten von ene’t): Beim Strom bleiben die Netzentgelte im Bundesschnitt nahezu unverändert. Regional reicht die Spanne aber von etwa 94 Euro mehr pro Jahr in Wörth/Altheim in Bayern bis etwa 69 Euro weniger in Parchim in Mecklenburg-Vorpommern.
Netzentgelte machen laut Verivox etwa ein Viertel des Strompreises aus. Ob du mehr oder weniger zahlst, hängt also stark von deinem Wohnort ab.
Bundeszuschuss: Noch nicht beschlossen
Für 2027 bis 2029 plant die Bundesregierung je 5,525 Milliarden Euro Zuschuss zu den Übertragungsnetzkosten, nach 6,5 Milliarden Euro 2026. Das sind rund 15 Prozent weniger. Der Gesetzentwurf mit einem neuen § 24d EnWG wurde am 8. Oktober im Bundestag in erster Lesung beraten. Die Anhörung im Wirtschaftsausschuss war am 6. November, ein Termin für den Beschluss ist laut netz-trends (5.11.2026) noch nicht bekannt. Die endgültigen Übertragungsnetzentgelte hängen davon ab, ob das Gesetz rechtzeitig vor dem Jahreswechsel kommt.
Was das für deine Preisgarantie bedeutet
Steigen Umlagen und regional auch Netzentgelte, kommt es auf den Umfang deiner Preisgarantie an. Lies den Wortlaut:
- Garantie, die Netzentgelte und Umlagen einschließt: Dein Preis bleibt bis zum Garantieende gleich, auch wenn Umlagen steigen. Das ist 2027 der bessere Schutz.
- Garantie nur auf Energie und Vertrieb: Steigende Umlagen und Netzentgelte darf der Anbieter weitergeben. Dann gilt die Garantie nur für einen Teil deines Preises.
- Mehrwertsteuer: Nach § 41 Abs. 6 EnWG darf ein Lieferant Änderungen der Umsatzsteuer weitergeben, ohne dass das als Preisänderung mit Sonderkündigungsrecht gilt.
Erhöht dein Anbieter den Preis, muss er dich als Haushaltskunde laut § 41 Abs. 5 EnWG spätestens einen Monat vorher informieren. Du kannst dann ohne Frist zum Zeitpunkt der Änderung kündigen.
Bonus und Wechsel: Die Zwei-Jahres-Rechnung
Wenn du jetzt wegen einer Preiserhöhung wechselst, verführen Neukundenboni. Rechne immer über die Zeit, die du den Vertrag behalten willst.
Rechenbeispiel (fiktiv): Angebot A kostet bei deinem Verbrauch 905 Euro im Jahr und bringt 100 Euro Bonus. Angebot B kostet 975 Euro und bringt 200 Euro Bonus. Im ersten Jahr zahlst du bei A 805 Euro und bei B 775 Euro. Behältst du den Vertrag zwei Jahre ohne neuen Bonus, kommst du bei A auf 1.710 Euro und bei B auf 1.750 Euro. B gewinnt also nur, wenn du nach einem Jahr wieder wechselst.
Welches Tarifmodell für dich passt, etwa ein Festpreis oder ein dynamischer Tarif, erklärt unser Artikel Stromanbieter 2026 im Vergleich.
Häufige Fehler zum Jahreswechsel
| Fehler | Was stattdessen gilt |
|---|---|
| Die Umlagen-Erhöhung von 22,9 Prozent mit der Preiserhöhung gleichsetzen | Umlagen sind nur ein Teil des Preises. Entscheidend ist der Preis aus deiner Mitteilung. |
| Bundesschnitt der Netzentgelte auf den eigenen Ort übertragen | Regional reicht die Spanne von rund +94 bis −69 Euro. Prüfe die Werte deines Netzbetreibers. |
| Den Bundeszuschuss für sicher halten | Das Gesetz ist noch nicht beschlossen. Die Übertragungsnetzentgelte sind vorläufig. |
| Eine Preisgarantie für vollständig halten | Prüfen, ob Netzentgelte und Umlagen eingeschlossen sind |
| Den Bonus in jedes Jahr einrechnen | Über die geplante Vertragsdauer rechnen, den Bonus nur einmal |
| Die Preismitteilung ungelesen ablegen | Sonderkündigung zum Zeitpunkt der Änderung prüfen |
Praktische Handlungsempfehlungen November 2026
Lies deine Preismitteilung, falls eine kommt: neuer Preis, Datum der Änderung, Sonderkündigungsrecht.
Prüfe deine Preisgarantie darauf, bis wann sie gilt und ob Netzentgelte und Umlagen eingeschlossen sind.
Vergleiche mit deinem Verbrauch und deiner Postleitzahl, denn die Netzentgelte unterscheiden sich regional stark.
Rechne Angebote erst ohne Bonus, dann über zwei Jahre mit dem einmaligen Bonus.
Bevorzuge bei einem Wechsel eine Garantie inklusive Umlagen und Netzentgelten, solange Zuschuss und Übertragungsnetzentgelte für 2027 nicht endgültig feststehen.
Fazit
Für 2027 steht fest, dass die Umlagen um knapp 23 Prozent auf 3,621 Cent je Kilowattstunde steigen. Bei 3.500 Kilowattstunden sind das rund 28 Euro brutto mehr, wenn der Anbieter sie voll weitergibt. Die Netzentgelte ändern sich im Bundesschnitt kaum, regional aber deutlich. Der Bundeszuschuss ist noch nicht beschlossen.
Prüf jetzt deine Preisgarantie und eine eventuelle Preismitteilung. Wechselst du, rechne über die geplante Vertragsdauer statt nur mit dem Bonus im ersten Jahr und wähle möglichst eine Garantie, die Umlagen und Netzentgelte einschließt.
Quellen und weiterführende Informationen
- ZfK: Strompreise 2027 – Netzumlagen steigen um fast 23 Prozent (26.10.2026; KWKG, Offshore, § 19 StromNEV)
- dpa/leinetal24: Netzentgelte für Strom und Gas steigen 2027 (17.10.2026; Verivox-Auswertung)
- Finanztip: Energiepreise 2027 – Gas wird regional um 145 Euro teurer (16.10.2026; regionale Strom-Beispiele)
- netz-trends: Netzentgelt-Zuschuss sinkt 2027 auf 5,525 Milliarden Euro (5.11.2026; Gesetzgebungsstand)
- § 41 EnWG (Unterrichtung über Preisänderungen, Sonderkündigung, Umsatzsteuer)
Haftungsausschluss
Transparenzhinweis: Dieser Artikel ordnet öffentlich zugängliche Informationen ein, vor allem die oben genannten Quellen (Stand: 7. November 2026). Wir testen und messen nicht selbst. Netzentgelte und Bundeszuschuss für 2027 sind vorläufig.
Tarif- und Vertragsbedingungen: Ob dir ein Sonderkündigungsrecht zusteht und was deine Preisgarantie umfasst, hängt von deinem Vertrag ab. Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung. Bei Unklarheiten hilft die Verbraucherzentrale oder die Schlichtungsstelle Energie.
Stand der Angaben: Die Rechenbeispiele sind fiktiv. Tarife, Boni und Preisgarantien ändern sich laufend. Rechne mit deinem Verbrauch und den Preisen aus deiner Mitteilung.
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